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New York

USA

Dr. Ellen Oswald

German International School New York, USA
College Advisor, European University Admissions

Es wird voller Einsatz erwartet – und der ist es wert

Wenn ich aus meinem Fenster zuhause schaue, dann sehe ich eine amerikanische Vorstadtsiedlung: Häuser mit makellos gemähtem Rasen und Gärten ohne Zäune, wenn man von der elektrischen Variante einmal absieht. Häuser mit den typischen Veranden, auf denen Schaukelstühle stehen und die je nach Jahreszeit unterschiedlich dekoriert sind. Vor allem zu Halloween und zur Weihnachtszeit sind der Fantasie, was den Reichtum an Farben und Illumination betrifft, keine Grenzen gesetzt.

Die Vielfalt New Yorks ist schwer fassbar. Was mir besonders gefällt, sind die Widersprüche.

Wenn ich aus dem Fenster eines Klassenraums schaue, sehe ich Grün. Das ist es nicht unbedingt, was man in einer New Yorker Schule erwartet. Aber White Plains ist nicht Manhattan und der Campus der German International School New York gleicht eher dem Gelände einer neuenglischen Universität als dem einer Stadtschule. Es gibt Gänse und Eichhörnchen, auch eine Opossum-Familie – oder ist es eine ganze Sippe? - wohnt in der Nähe der Chemie-Räume und ab und zu wurde schon ein Kojote auf seinen Streifgängen gesichtet, allerdings vor allem in der unterrichtsfreien Zeit. Die meisten Räume haben auch ein Fenster zum Flur hin und mitunter winken die Grundschüler ihren älteren Buddies aus dem Gymnasium zu, wenn sie möglichst still und unauffällig zur Caféteria gehen sollen, während die Größeren noch im Unterricht sitzen.

New York ist eine Stadt, die sich von dem Land, in dem sie liegt, in vielem unterscheidet. Eines aber haben Stadt und Land gemeinsam: ihre schwer fassbare Vielfalt. Was mir an New York besonders gefällt, sind seine Widersprüche. Während man beispielsweise überall dort, wo gewartet werden muss, dies mit einer stoischen Gelassenheit und Geduld in einer ordentlichen Schlange tut – Drängeln ist tabu -, braucht man für das Überleben im Straßenverkehr Mut, Chuzpe und Flexibilität. Man muss jederzeit mit allem rechnen, aber das hält jung und aufmerksam, ist also gar nicht schlecht. Das Angenehme: Niemand beharrt hartnäckig auf seinem Recht und niemand will einen anderen erziehen.

Alles ist ständig in Bewegung. Was gestern angesagt war, ist heute nicht mehr so spannend. Mit offenen Augen und Ohren sieht man und spürt man dieses pulsierende Leben an jeder U-Bahn-Haltestelle der Metropole.

New York hat alles, man muss nur wissen, wo. Man kann im Sommer Ausflüge zum Strand machen und im Winter Ski laufen. Und die Schlittschuhbahn im Bryant Park und vor dem Rockefeller Center gibt es tatsächlich. Man kann Upstate New York in den Adirondacks wandern oder in den Catskills, man kann über alle Brücken der Stadt gehen und immer neue Ausblicke auf den East River und den Hudson River genießen, Bootstouren machen und die Freiheitsstatue aus der Nähe sehen.

Neben den Jazzclubs und den großen Konzertsälen gibt es eine Fülle kleiner und origineller Theater, die vielleicht noch deutlicher zeigen, wie quirlig und lebendig die Künstlerszene der Stadt ist, in der die meisten Schauspieler, auch die guten, nebenbei in einem Café arbeiten, um die horrende Miete in ihrer Wohngemeinschaft bezahlen zu können. Es gibt inspirierende Straßenkunst, vor allem in Harlem und Bushwick, und wer gut zu Fuß ist, kann sich hier von Insidern führen lassen. Aber alles ist ständig in Bewegung. Was gestern angesagt war, ist heute nicht mehr so spannend und mit offenen Augen und Ohren sieht man und spürt man dieses pulsierende Leben an jeder U-Bahn-Haltestelle der Metropole. Mitunter hört man dort richtig gute Musik. Und: Ja, es stimmt, die New Yorker nehmen vielleicht keinen regen Anteil an ihrem Banknachbarn, aber dafür hat jeder auch die Freiheit, so zu sein, wie er ist. Manchmal sagt jemand auf der Straße oder in einem Geschäft ganz einfach: „I like your dress!“ oder „I like your earrings!“ und manchmal kommt man bis zur nächsten Haltestelle in ein richtig spannendes Gespräch.

Man sollte sich in das Leben der Schule einbringen, wo immer es geht, aber auch über den Tellerrand der Schule hinausschauen.

Was man nicht verpassen sollte? Die unendlich vielen Möglichkeiten, die sich bieten. Man sollte reisen, wann immer es geht. Man sollte sich in das Leben der Schule einbringen, wo immer es geht, aber auch über den Tellerrand der Schule hinausschauen, Sport im YMCA machen, nach einem Chor oder Orchester suchen, falls man musikalisch ist, sich von „Goldstar“ regelmäßig über das kulturelle Angebot der Stadt informieren lassen und dieses dann irgendwie wahrnehmen, auch wenn einem gelegentlich bei einem Konzert vor Erschöpfung die Augen zufallen. Man sollte auch mit Schülern Ausflüge zu den großartigen Museen der Stadt unternehmen, sich durch die UNO führen lassen und die Verbindungen nutzen, die unter anderem zum Deutschen Haus und zum Goethe-Institut bestehen.

Was man über die Tätigkeit an der Schule wissen sollte, ist vor allem das: Es wird der ganze Einsatz erwartet, aber es ist auch den ganzen Einsatz wert.

Meine Schule ist klein und sie ist wie New York immer in Bewegung. Manchmal wäre ein bisschen Entschleunigung gut. Manchmal würde ich gerne die atemberaubenden Ereignisse, die dort rasch aufeinander folgen, mehr würdigen und mehr gewürdigt sehen. Die Mitglieder der Schulgemeinschaft tun so viel, dass man kaum die Muße hat, alles angemessen wahrzunehmen. Und es gibt, wie wahrscheinlich an den meisten Auslandsschulen, eine hohe Fluktuation in der Lehrer-, Schüler- und Elternschaft. Da ist es nicht immer einfach, Kontinuität herzustellen.

Ich bin im vorletzten Jahr meines Auslandseinsatzes und habe so viele wertvolle Erfahrungen in so vielen Bereichen gemacht und sehe einer in so vielerlei Hinsicht ungewissen Zukunft so gelassen entgegen, dass ich sagen kann: Die Entscheidung für New York hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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